Willkommen zu unserer gemeinsamen Lesewoche am Gymnasium am Deutenberg.
Eine Woche lang liest unsere ganze Schulgemeinschaft das gleiche Buch – „Der kleine Prinz“. Und weil Lesen verbindet, sollen alle mitmachen können: Schüler*innen, Eltern, Geschwister, Großeltern, Ehemalige und diejenigen, die gerade krank sind oder nicht in der Schule sein können.
Denn eine Geschichte gehört allen, die sie hören möchten. Deshalb veröffentlichen wir hier jeden Tag den Abschnitt, den unsere Klassen gerade lesen.
So kann jede und jeder von überall aus ein Stück dieser besonderen Woche miterleben:
im Bett, am Küchentisch, im Krankenhaus, zwischen zwei Terminen oder abends gemeinsam auf dem Sofa.
Lesen wir also zusammen – über Klassenzimmer, Häuser und Generationen hinweg.
Eine Geschichte verbindet uns, auch wenn wir nicht im selben Raum sitzen.
Hier beginnt unser täglicher Leseabschnitt:
Kapitel XI
Der zweite Planet wurde von einem Eitlen bewohnt.
– "Ah, ah! Besuch eines Verehrers!", freute sich der Eitle als er den kleinen Prinzen sah.
Denn für eitle Menschen sind alle anderen Verehrer.
– "Guten Tag", sagte der kleine Prinz. "Sie haben einen merkwürdigen Hut!"
– "Der ist zum Grüßen", sagte der Eitle. "Damit ich zurück grüßen kann, wenn jemand mich anhimmelt … Nur leider kommt hier nie jemand vorbei."
– "Ach so?", sagte der kleine Prinz, ohne recht zu verstehen.
– "Schlag mal mit der einen Hand auf die andere", riet ihm der Eitle.
Der kleine Prinz schlug mit der einen auf die andere Hand. Der Eitle grüßte in aller Bescheidenheit, indem er den Hut zog.
– "Das ist immerhin witziger als der Besuch beim König", sagte der kleine Prinz zu sich selbst. Wieder schlug er die Hände zusammen. Wieder zog der Eitle zum Gruß seinen Hut. Nach fünf Minuten ödete die Eintönigkeit des Spiels den kleinen Prinzen an:
– "Und was muss man tun, damit der Hut runterfällt?"
Doch der Eitle hörte ihn nicht. Eitle Menschen hören nur, wenn sie gelobt werden.
– "Verehrst du mich wirklich?", fragte er den kleinen Prinzen.
– "Was bedeutet verehren?"
– "Verehren bedeutet, zuzugeben, dass ich der schönste, am besten gekleidete, reichste und intelligenteste Mensch auf dem Planeten bin."
– "Aber du bist ganz allein auf deinem Planeten!"
– "Tue mir den Gefallen. Verehre mich trotzdem!"
– "Ich verehre dich", sagte der kleine Prinz, und zuckte dabei mit den Schultern. "Aber warum interessiert dich das bloß?"
– Und der kleine Prinz brach wieder auf.
– "Die Erwachsenen sind doch wirklich ungewöhnlich!", sagte er sich auf seiner Reise.
Kapitel XII
Auf dem nächsten Planeten wohnte ein Säufer. Es war ein sehr kurzer Besuch, doch tauchte er den kleinen Prinzen in eine große Traurigkeit:
– "Was machst du da?", fragte er den Säufer, der schweigend vor einer Ansammlung leerer und voller Flaschen saß.
– "Ich saufe", antwortete finster der Säufer.
– "Warum säufst du?", fragte ihn der kleine Prinz.
– "Um zu vergessen", sagte der Säufer.
– "Um was zu vergessen?", erkundigte sich der kleine Prinz und bedauerte ihn schon.
– "Um zu vergessen, dass ich mich schäme", gab der Säufer zu und senkte den Kopf.
– "Für was schämst du dich?", fragte der kleine Prinz, der den Wunsch hatte, ihm zu helfen.
– "Fürs Saufen!", gab der Säufer zu und vergrub sich endgültig in Schweigen.
Und ganz perplex machte sich der kleine Prinz wieder auf und davon.
– "Die Erwachsenen sind doch wirklich wunderlich!", sagte er sich auf seiner Reise.
Kapitel XIII
Der vierte Planet gehörte einem Geschäftsmann. Der Mann war so beschäftigt, dass er bei der Ankunft des kleinen Prinzen nicht einmal den Kopf hob.
– "Guten Tag", sagte dieser zu ihm.
– "Ihre Zigarette ist ausgegangen."
– "Drei und zwei macht fünf. Fünf und sieben zwölf. Zwölf und drei ist fünfzehn. Fünfzehn und sieben ist zweiundzwanzig. Keine Zeit, um sie wieder anzuzünden. Uff! Das macht also fünfhunderteine Million, sechshunderzweiundzwanzigtausendsiebenhunderteinunddreißig."
– "Fünfhundert Millionen wovon?"
– "Wie? Du bist noch hier? Fünfhunderteine Millionen von … ich weiß es nicht mehr … ich habe so viel Arbeit! Ich bin mit Ernst bei der Sache, für Quatsch hab ich keine Zeit! Zwei und fünf ist sieben …"
- "Fünfhundert Millionen wovon?", wiederholte der kleine Prinz, der niemals von einer Frage abließ, wenn er sie einmal gestellt hatte.
Der Geschäftsmann hob den Kopf:
– "In den vierundfünfzig Jahren, seit ich auf diesem Planeten lebe, wurde ich nur drei Mal gestört. Das erste Mal vor zweiundzwanzig Jahren, als ein Maikäfer von weiß Gott wo herabgefallen ist.
Er machte einen furchtbaren Lärm und ich habe mich beim addieren gleich viermal verrechnet. Das zweite Mal war vor elf Jahren, bei plötzlichen Gelenkschmerzen. Ich mache zu wenig Sport. Ich habe keine Zeit zu vertrödeln. Ich bin mit Ernst bei der Sache. Das dritte Mal … ah, da haben wir's. Ich war bei fünfhunderteiner Million …"
– "Millionen wovon?"
Der Geschäftsmann verstand, dass er nicht darauf hoffen konnte, in Ruhe gelassen zu werden:
– "Millionen dieser kleinen Dinger, die man manchmal am Himmel sieht."
– "Fliegen?"
– "Aber nein, diese kleinen leuchtenden Dinger."
– "Bienen?"
– "Aber nein. Kleine goldene Dinger, die Faulpelze zum Träumen bringen. Aber ich bin mit Ernst bei der Sache! Ich habe keine Zeit zum Träumen."
– "Ah, die Sterne?"
– "Ja genau, so ist es, die Sterne."
– "Und was machst du mit fünfhundert Millionen Sternen?"
– "Fünfhunderteine Million, sechshundertzweiundzwanzigtausendsiebenhunderteinunddreißig. Ich bin mit Ernst bei der Sache, ich bin exakt!"
– "Und was machst du mit diesen Sternen?"
– "Was ich damit mache?"
– "Ja."
– "Nichts. Ich besitze sie."
– "Du besitzt die Sterne?"
– "Ja."
– "Aber ich habe schon einen König getroffen, der …"
– "Könige besitzen nichts. Sie ,regieren überʻ. Das ist etwas ganz anderes."
– "Und was bringt es dir, Sterne zu besitzen?"
– "Dadurch bin ich reich."
– "Und was bringt es dir, reich zu sein?"
– "So kann ich andere Sterne kaufen, wen jemand welche findet."
– "Dieser Typ", sagte sich der kleine Prinz, "er denkt ein bisschen so wie mein Säufer."
Dennoch stellte er weitere Fragen:
– "Wie kann man denn Sterne besitzen?"
– "Wem gehören sie denn?", gab der Geschäftsmann mürrisch zurück.
– "Ich weiß nicht. Niemandem."
– "Na dann gehören sie mir, denn ich habe als Erster daran gedacht."
– "Das reicht aus?"
– "Sicher. Wenn du einen Diamanten findest, der niemandem gehört, so gehört er dir. Wenn du eine Insel findest, die niemandem gehört, so gehört sie dir. Wenn du als Erster eine Idee hast, lässt du sie patentieren: sie gehört dir. Und mir gehören die Sterne, denn niemand vor mir hat sich darum geschert, sie zu besitzen.
– "Das stimmt wohl", sagte der kleine Prinz. "Und was machst du mit ihnen?"
– "Ich verwalte sie. Ich zähle sie und dann zähle ich sie wieder", sagte der Geschäftsmann. Das ist schwierig aber ich bin ein ernstzunehmender Mann!"
Der kleine Prinz war nicht zufrieden.
– "Ich besitze einen Schal, den kann ich mir um den Hals binden und mitnehmen. Wenn mir eine Blume gehört, kann ich sie pflücken und mitnehmen. Aber du kannst die Sterne ja nicht pflücken!"
– "Nein, aber ich kann sie auf die Bank bringen."
– "Was soll das heißen?"
– "Das bedeutet, ich schreibe die Anzahl der Sterne auf einen kleinen Zettel. Und diesen Zettel verschließe ich dann in einer Schublade."
– "Das ist alles?"
– "Das reicht schon!"
– "Das ist witzig", dachte der kleine Prinz. "Es klingt fast poetisch. Aber wirklich ernst gemeint ist es nicht."
Von ernsten Dingen hatte der kleine Prinz eine ganz andere Vorstellung als die Erwachsenen.
– "Ich", sagte er noch, "ich besitze eine Blume, die ich jeden Tag gieße. Ich besitze drei Vulkane, die ich jede Woche fege. Denn ich fege sogar jenen, der schon erloschenen ist. Man weiß ja nie. Meinen Vulkanen nutzt es, ebenso wie meiner Blume, dass ich sie besitze … Aber für deine Sterne bist du ganz unnütz …"
Der Geschäftsmann öffnete den Mund aber ihm fiel keine Antwort ein und der kleine Prinz machte sich auf und davon.
"Die Erwachsenen sind doch wirklich komisch!", sagte er sich auf seiner Reise.
Kapitel XIV
Der fünfte Planet war äußerst merkwürdig. Es war der kleinste von allen. Es gab gerade genug Platz für eine Straßenlaterne und einen Laternenanzünder. Der kleine Prinz konnte sich nicht erklären, wozu man irgendwo im Himmel, auf einem Planeten ohne Häuser und Menschen eine Straßenlaterne und einen Laternenanzünder gebrauchen könnte. Dennoch sagte er sich:
"Gut möglich, dass dieser Mann merkwürdig ist. Dennoch ist er nicht so merkwürdig wie der König, der Eitle, der Geschäftsmann oder der Säufer. Seine Arbeit hat zumindest einen Sinn. Wenn er seine Laterne anzündet, dann ist es so, als würde er einen neuen Stern erschaffen, oder eine Blume. Wenn er seine Laterne löscht, schläft ein Stern ein oder eine Blume. Das ist eine sehr schöne Beschäftigung. Es ist wirklich nützlich, weil es schön ist."
Als er auf dem Planeten landete, grüßte er den Laternenanzünder respektvoll:
– "Guten Tag. Warum hast du denn gerade deine Laterne gelöscht?"
– "So lautet die Vorschrift", sagte der Laternenanzünder. "Guten Tag."
– "Was ist die Vorschrift?"
– "Die Laterne zu löschen. Guten Abend." Und er zündete sie wieder an.
– "Warum hast du sie nun wieder angezündet?"
– "Das ist die Vorschrift", antwortete der Laternenanzünder.
– "Ich verstehe es nicht", sagte der kleine Prinz.
– "Da gibt es nichts zu verstehen", sagte der Laternenanzünder. Vorschrift ist Vorschrift. Guten Tag."
Und er machte die Laterne aus.
Dann wischte er sich mit einem rotkarierten Taschentuch die Stirn ab.
– "Ich habe einen schrecklichen Beruf. Früher war das vernünftig. Am Morgen löschte ich sie aus und am Abend zündete ich sie wieder an. Der Rest des Tages blieb mir zum Erholen und die Nacht zum Schlafen.
– "Und seitdem wurde die Vorschrift geändert?"
– "Die Vorschrift hat sich nicht geändert", sagte der Laternenanzünder. "Das ist ja das Drama! Der Planet hat sich von Jahr zu Jahr schneller gedreht, aber die Vorschrift wurde nicht geändert!"
– "Ja, und?", sagte der kleine Prinz.
– "Jetzt dreht er sich ein Mal pro Minute, mir bleibt keine Sekunde Pause. Pro Minute zünde ich einmal an und lösche einmal aus.
– "Das ist lustig. Bei dir dauern die Tage nur eine Minute!"
– "Das ist überhaupt nicht lustig", sagte der Laternenanzünder. Jetzt reden wir schon einen Monat lang miteinander."
– "Einen Monat?"
– "Ja. Dreißig Minuten. Dreißig Tage. Guten Abend."
Und er zündete seine Laterne wieder an.
Der kleine Prinz schaute ihn an und er liebte diesen Anzünder, der sich so streng an die Vorschrift hielt. Er erinnerte sich an die Sonnenuntergänge und wie er auf deren Suche früher seinen Stuhl rückte. Er wollte seinem Freund helfen:
– "Weißt du … ich weiß einen Weg, wie du dich ausruhen kannst, wann immer du möchtest …"
– "Immer her damit", sagte der Laternenanzünder.
Man kann gleichzeitig pflichtbewusst und faul sein. Der kleine Prinz fuhr fort:
– "Dein Planet ist derart klein, dass du ihn mit drei Hüpfern umrundet hast. Du musst nur sehr langsam laufen, um immer in der Sonne zu bleiben. Wenn du dich ausruhen willst, läufst du … und der Tag dauert so lange, wie du magst."
– "Das bringt mich nicht sonderlich weiter", sagte der Anzünder. "Was ich im Leben liebe, ist das Schlafen."
– "Dann bringt es nichts."
– "Dann bringt es wohl nichts", sagte der Anzünder. "Guten Tag." Und er löschte seine Laterne.
"Dieser Kerl", sagte sich der kleine Prinz, während er seine Reise fortsetzte, "dieser Kerl würde von allen anderen verachtet werden, vom König, vom Eitlen, vom Säufer und vom Geschäftsmann. Dennoch ist er der Einzige, der mir nicht lächerlich vorkommt. Vielleicht weil er sich nicht nur mit sich selbst beschäftigt."
Er seufzte vor Bedauern und sagte sich noch:
"Dieser Kerl ist der einzige, mit dem ich mich angefreundet hätte. Aber sein Planet ist wirklich zu klein. Es gibt keinen Platz für zwei …"
Was sich der kleine Prinz nicht einzugestehen wagte, war, dass er diesem Planeten vor allem wegen der tausendvierhundertvierzig Sonnenuntergänge in vierundzwanzig Stunden nachtrauerte.
Kapitel XV
Der sechste Planet war um das Zehnfache größer. Hier wohnte ein alter Herr, der dicke Bücher schrieb.
– "Sieh da! Ein Forscher!", freute er sich, als er den kleinen Prinzen erblickte.
Der kleine Prinz setzte sich an den Tisch, um ein wenig zu verschnaufen. Er war schon so viel herumgereist!
– "Wo kommst du her?", fragte ihn der alte Herr.
– "Was ist das für ein dickes Buch?", sagte der kleine Prinz. "Was treiben Sie hier?"
– "Ich bin Geograph", sagte der Alte.
– "Was ist ein Geograph?"
– "Das ist ein Wissenschaftler, der weiß, wo sich die Meere befinden, die Flüsse, die Städte, die Berge und die Wüsten."
– "Das ist sehr interessant", sagte der kleine Prinz. Das ist endlich mal ein richtiger Beruf. Er schaute sich den Planeten des Geographen an. Er hatte noch niemals einen so herrschaftlichen Planeten gesehen.
– "Er ist so wunderschön, euer Planet. Gibt es Meere?"
– "Das kann ich nicht wissen", sagte der Geograph.
– "Ah!" (Der kleine Prinz war schon enttäuscht.) "Und Berge?"
– "Das kann ich nicht wissen", sagte der Geograph.
– "Und Städte und Flüsse und Wüsten?"
– "Auch das kann ich nicht wissen", sagte der Geograph.
– "Aber Sie sind doch Geograph!"
"Das stimmt wohl", sagte der Geograph, "aber ich bin kein Forscher. Mir fehlt es an Forschergeist. Nicht der Geograph wird die Städte, Flüsse, Berge, Meere Ozeane und Wüsten zählen. Der Geograph ist zu bedeutend, um sich herumzutreiben. Er verlässt seinen Schreibtisch nicht.
Aber er empfängt die Forscher. Er befragt sie, er notiert ihre Erinnerungen. Und wenn die Erinnerungen ihm interessant erscheinen, veranlasst der Geograph eine Untersuchung über die Glaubwürdigkeit des Forschers. "
– "Wozu denn?"
– "Weil ein Forscher, der Lügen verbreitet, an Katastrophen in unseren Geographiebüchern schuld wäre. Und auch ein Forscher, der zu viel säuft.
– "Wie das?", fragte der kleine Prinz.
– "Weil Betrunkene doppelt sehen. So würde der Geograph zwei Berge verzeichnen, wo es nur einen einzigen gibt."
– "Ich kenne da jemanden", sagte der kleine Prinz, "der ein schlechter Forscher wäre."
– "Das ist wohl möglich. Wenn der Forscher also glaubwürdig erscheint, dann macht man eine Untersuchung über seine Entdeckung."
– "Schaut man nach?"
– "Nein. Das ist zu kompliziert. Aber man verlangt von dem Forscher, dass er Beweise liefert. Handelt es sich beispielsweise um die Entdeckung eines großen Berges, so verlangt man von ihm, Steine von dort mitzubringen."
Plötzlich war der Geograph ganz aufgeregt.
– "Aber du, du kommst doch von weit her! Du bist ein Forscher! Du wirst mir deinen Planeten beschreiben!"
Und der Geograph hatte schon sein Verzeichnis aufgeschlagen und spitze seinen Bleistift. Zuerst notiert man die Berichte der Forscher mit dem Bleistift. Mit der Tinte wartet man so lange, bis der Forscher die Beweise geliefert hat.
– "Also?", fragte der Geograph.
– "Oh! Bei mir", sagte der kleine Prinz, "ist es nicht sonderlich interessant, es ist winzig. Ich habe drei Vulkane. Zwei sind aktiv und einer ist erloschen. Aber man weiß ja nie."
– "Man weiß nie", sagte der Geograph.
– "Eine Blume habe ich auch!"
– "Wir schreiben keine Blumen auf", sagte der Geograph.
– "Wieso? Das ist doch das Schönste!"
– "Weil Blumen vergänglich sind."
– "Was heißt ,vergänglichʻ?"
– "Geographiebücher sind von allen Büchern die wertvollsten. Sie sind nie überholt. Es ist sehr selten, dass ein Berg seinen Platz ändert. Es ist selten, dass sich ein Ozean leert. Wir schreiben ewige Dinge auf."
– "Aber erloschene Vulkane können wieder ausbrechen", unterbrach ihn der kleine Prinz. Was bedeutet ,vergänglichʻ?"
– "Ob Vulkane nun erloschen sind oder wieder ausbrechen, läuft für uns auf das Gleiche hinaus", sagte der Geograph. Was für uns zählt, ist der Berg. Er verändert sich nicht.
– "Aber was heißt ,vergänglichʻ?", wiederholte der kleine Prinz, der niemals von einer Frage abließ, die er einmal gestellt hatte.
– "Das bedeutet, dass etwas ,von baldigem Verschwinden bedrohtʻ ist."
– "Meine Blume ist von baldigem Verschwinden bedroht?"
– "Natürlich!"
Meine Blume ist vergänglich, sagte sich der kleine Prinz und sie hat nur vier Dornen, um sich gegen die Welt zu verteidigen. Und ich hab sie ganz allein bei mir zurückgelassen.
Da spürte er das erste Mal Bedauern. Aber er fasste neuen Mut:
– "Was empfehlen Sie mir für einen Besuch?", fragte er.
– "Den Planeten Erde", antwortete der Geograph. Er hat einen guten Ruf …“
Da machte sich der kleine Prinz auf den Weg und war in Gedanken bei seiner Blume.
Antoine de Saint-Exupéry: „Der kleine Prinz“. Aus dem Französischen von Romy Strassenburg. Erschienen 2015 im BUCHFUNK Verlag, Leipzig. Diese Übersetzung von Romy Strassenburg, erschienen 2015 im BUCHFUNK Verlag, ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht kommerziell 4.0 International Lizenz.
