Drei Tage raus aus dem Stundenplan
Wer derzeit durch das Gymnasium am Deutenberg läuft, erlebt eine Schule, die mit dem normalen Stundenplan nur noch wenig zu tun hat. Statt Mathebuch und Vokabelheft liegen Holz, Metall und Häkelnadeln auf den Tischen. Aus Pflanzen werden Farben, aus einzelnen Rätseln ganze Escape Rooms. In der Sporthalle wird trainiert, anderswo getanzt und wieder ein paar Räume weiter darüber diskutiert, ob eine Band mit rechtsextremen Bezügen bei einem Schulfestival auftreten darf.
Drei Tage lang bestimmen die Projekte den Schulalltag am GaD. Und dabei wird zum Teil ordentlich angepackt. Eine Gruppe baut eine Spieluhr für die Schule. Dafür muss gesägt, gebohrt und geschraubt werden, bevor eine drehende Walze mit Stiften schließlich Metallzungen zum Klingen bringen kann. Die „Noten“ setzen die Schülerinnen und Schüler selbst. Am Ende soll aus Holz und Metall also tatsächlich Musik werden.
Kreativ geht es auch andernorts zu. In der Design-Werkstatt entstehen Schmuck, Haaraccessoires, Schlüssel- und Taschenanhänger. Ein Teil davon soll beim Schulfest verkauft werden. Damit müssen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur Gedanken darüber machen, was schön aussieht, sondern auch darüber, was andere tatsächlich kaufen würden. Noch etwas ursprünglicher wird es beim Malen mit Naturfarben: Hier beginnt die Arbeit nicht mit dem Öffnen des Farbkastens, sondern mit Pflanzen und Erde.
Andere Projekte beschäftigen sich mit Dingen, die weniger greifbar sind. Gleich mehrere Gruppen widmen sich Achtsamkeit, Ruhe und dem Umgang mit Stress. Es geht um Bewegung und Ernährung, um Yoga und Naturerleben, aber auch darum, einfach einmal bewusst zuzuhören oder still zu sein. Ein Kontrastprogramm zum sonst oft ziemlich durchgetakteten Schulalltag.
Wie unterschiedlich die Themen der Projekttage sind, zeigt sich spätestens ein paar Türen weiter. Dort geht es um Fragen, die für ältere Schülerinnen und Schüler bald ganz praktisch werden: Wie finanziert man ein Studium? Was muss man bei der ersten eigenen Wohnung beachten? Und wie funktioniert eigentlich ein Mietvertrag? Das Projekt „Lifehacks für das Leben nach dem Abi“ kümmert sich um all das, was man nach der Schule wissen sollte, aber in der Schule nicht unbedingt lernt.
Ernst wird es auch beim Thema Notfallvorsorge. Gemeinsam mit der Feuerwehr Villingen-Schwenningen beschäftigen sich Jugendliche damit, wie sie in Notfällen richtig reagieren und anderen helfen können. Ein Besuch bei der Feuerwache gehört ebenfalls dazu. Beim „Soundcheck: Stark gegen extrem.“ steht dagegen eine schwierige Entscheidung im Mittelpunkt: Darf eine Band mit rechtsextremen und menschenverachtenden Bezügen bei einem Schulbandfestival auftreten? In einem Rollenspiel muss ein fiktiver Schülerrat darüber verhandeln. Von dort führt der Weg zu Fragen nach Propaganda, Zivilcourage und dem Umgang mit Rechtsextremismus.
Wer lieber tüftelt, entwickelt unterdessen einen eigenen Escape Room. Die Herausforderung dabei: Rätsel müssen schwierig genug sein, um Spaß zu machen, aber lösbar genug, damit am Ende niemand für immer im Raum bleibt. Die fertigen Konzepte sollen deshalb auch von anderen Schülerinnen und Schülern getestet werden.
Und natürlich wird auch geschwitzt. Beim Urban Dance entsteht aus verschiedenen Grundschritten eine gemeinsame Choreografie, beim Fitnessprojekt wartet nach unterschiedlichen Trainingsformen schließlich das „Battle of GaD“.





