Dokulive: Europa und der Erste Weltkrieg

Eine Geschichtsstunde der besonderen Art gab es für die Neuntklässler des Gymnasiums am Deutenberg.

Der Politologe Ingo Espenschied war im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Vortrag „Europa und der Erste Weltkrieg“ nach Schwenningen gekommen. Mit einer spannenden, abwechslungsreichen und live kommentierten Multimediashow zog der Präsentationsprofi die Schüler in seinen Bann.

Es ist das Jahr 1981. Der Bauer Ferdinand Boulanger findet auf seinem Dachboden ein Fläschchen. Es muss sehr alt sein, denn das Glas ist schon blind. In der Flasche steckt ein Zettel. Lesen kann Boulanger den Zettel nicht, denn er ist auf Deutsch geschrieben. Hinterlassen haben ihn mehr als 60 Jahre vorher sechs deutsche Soldaten, die während des Ersten Weltkriegs auf dem Hof der Boulangers einquartiert waren.

1914 hatte der Erste Weltkrieg Europa in den Abgrund gestürzt. Während die Katastrophe mit millionenfachem Tod und der Untergang einer ganzen Generation ihren Lauf nimmt, wünschen sich – ernüchtert vom grausamen Alltag des Kriegs – diese sechs Soldaten für die kommenden Generationen eine Welt, in der sich Deutsche und Franzosen und alle Europäer nicht mehr gegenseitig niedermetzeln, sondern Brüder sind und gemeinsam für den Frieden einstehen. Sie wollen die angebliche deutsch-französische Erbfeindschaft beenden.

Doch die Botschaft kommt nicht an. In einer von Nationalismus, Chauvinismus und Revanchismus zerfressenen Welt scheitert nach dem Krieg die Friedensordnung von Versailles und damit auch die Utopie der sechs Soldaten. Die zarten Pflänzchen deutsch-französischer Freundschaft, die sich Mitte der 20er Jahre entwickelt haben, verdorren wieder. 1939 beginnt ein neuer, noch schrecklicherer Krieg, der die Welt über fünf Jahre lang in Atem hält. Erst die erneute Katastrophe dieses Zweiten Weltkriegs öffnet manchen Zeitgenossen die Augen. Konrad Adenauer und Charles de Gaulle und andere weise Staatsmänner erkennen, dass nur ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich einen dauerhaften Frieden in Europa garantieren kann. Die deutsch-französische Freundschaft und der Bau eines neuen Europa beginnt. Bis heute ist diese Freundschaft der Garant von Frieden und Wohlstand in Europa.

Espenschied verband in seinem Vortrag einen lebendigen Live-Kommentar mit unterschiedlichen Medien, die er auf eine große Kinoleinwand projizierte: historische Fotos, Karikaturen, Animationen und Filmausschnitte. Der entscheidende Anstoß Espenschieds kam, wie die Diskussion im Anschluss an die Veranstaltung zeigte, bei den Schülern an. Frieden und Wohlstand sind keine Selbstverständlichkeiten und man kann sie auch wieder verlieren, wenn man in Passivität verharrt. Jede Generation muss sie durch Engagement und aktiven Einsatz für Demokratie und Menschenrechte erkämpfen und bewahren. Das ist in Zeiten grassierender Europa-Skepsis eine wichtige Botschaft.

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