In diesen Tagen begegnet man im Schulhaus des Gymnasiums am Deutenberg ungewöhnlichen Landschaften: leuchtenden Sternengärten, grauen Schattenfeldern, Planeten voller Uhren oder Orten, an denen Masken zu Boden fallen. Sie stammen nicht aus einem Weltraumroman, sondern aus dem Schulprojekt „Eine Schule liest ein Buch“, bei dem sich die gesamte Schulgemeinschaft mit Antoine de Saint-Exupérys "Der kleine Prinz" beschäftigt.
Im Roman reist der kleine Prinz von Planet zu Planet und trifft dort Erwachsene, die in ihren Eigenheiten überzeichnet dargestellt sind. Dieses Motiv griff die Klasse 10b auf. In Gruppen erfanden die Schülerinnen und Schüler einen eigenen Planeten mit einer typischen Erwachsenenfigur – manchmal humorvoll, manchmal kritisch, manchmal überraschend nah am Alltag der Jugendlichen. Die Aufgabe bestand darin, eine kurze Begegnung zwischen dieser Figur und dem kleinen Prinzen zu schreiben und den entstandenen Text anschließend gestalterisch auf einem großen, farbigen Planeten umzusetzen.
Die Ergebnisse hängen inzwischen im Schulhaus aus und erweitern die große „Schulgalaxie“. Besonders auffällig ist, wie unterschiedlich die Zehntklässler das Grundprinzip des Romans interpretiert haben. Einige beschäftigen sich mit Gefallsucht oder Perfektionismus, andere mit Erinnerungen, Schatten, Arbeit oder Nähe. Trotz der Vielfalt verbindet alle Texte eine gemeinsame Idee: Erwachsene wirken für den kleinen Prinzen oft merkwürdig – und genau darin steckt Potenzial für Nachdenken, Humor und kleine Erkenntnisse.
Im Folgenden dokumentieren wir eine Auswahl der entstandenen Planeten und Texte der Klasse 10b.
1. Unser eigener Planet
Als der kleine Prinz auf dem Planeten landete, sah er überall Pflanzen, die wie Sterne glühten. Manche funkelten wie Diamanten, andere leuchteten schwach wie Erinnerungen. Jede von ihnen war aus einer gefallenen Sternschnuppe entstanden. Zwischen den leuchtenden Blumen stand eine warmherzige Frau.
„Willkommen, kleiner Reisender“, sagte sie freundlich. „Ich bin Solara, Sternengärtnerin.“
„Sternengärtnerin?“, fragte der kleine Prinz.
„Ja“, antwortete sie lächelnd. „Wenn ein Stern fällt, entsteht daraus eine Pflanze. Ich kümmere mich um sie, weil alles, was gefallen ist, besondere Liebe braucht.“
Der kleine Prinz dachte an seine Rose und fühlte ein warmes Ziehen im Herzen. Solara bemerkte es und reichte ihm eine kleine leuchtende Knospe.
„Diese wird immer scheinen“, sagte sie, „solange du jemanden im Herzen trägst.“
Der kleine Prinz lächelte, und als er weiterreiste, leuchtete die Knospe sanft in seiner Hand. Sie erinnerte ihn: Liebe macht alles wieder hell, selbst das, was einmal gefallen ist.
2. Der Schattenplanet
Der kleine Prinz besucht Sir Shadow auf seinem einzigartigen Schattenplaneten. Alle leben dort ein glückliches und sonnenstrahltes Leben, bis auf Sir Shadow, welcher den zentralen Punkt auf die Schattenwelt legt.
Sir Shadow pflanzt Schatten, wie wir Menschen Blumen pflanzen.
Als der kleine Prinz den Planeten zum ersten Mal erblickt, scheint ihm ein glückliches Leben entgegen. Außer Sir Shadows Land…
Beim sonnigen Betreten kommt ihm ein kühler und dunkler Duft, wie ein Abendwind, entgegen.
Die Schattenblumen spiegeln für Sir Shadow ein Gefühl von Geborgenheit und Ruhe. Jeden Abend gießt Sir Shadow die Schattenblumen aus der Laterne aus. Schattenblumen entstehen aus gefallenen Bäumen oder verlorenen Menschen.
Und so begriff der kleine Prinz, dass man nicht nur nach dem Offensichtlichen greifen soll, sondern auch die kleinen unscheinbaren Dinge wertschätzen soll. Licht und Dunkelheit gehören zusammen, denn ohne Dunkelheit würde man nicht die Helligkeit erkennen und wertschätzen.
3. Die Gefallsüchtige
Der nächste Halt auf meiner Reise ist der Asteroid 411, der gefallsüchtige Planet. Kaum betrete ich diese Welt, bedrückt mich eine Heuchelei, eine vorgegaukelte Freundlichkeit, die mir unglaublich fremd ist. Eigentlich ist alles sehr bunt und freundlich, bis einem die Scheinheiligkeit dahinter auffällt. Man kann sie nicht mehr übersehen. Erst jetzt bemerke ich die Schattenseite des Planeten. Ein paar Affenbrotbäume bewachsen die graue, abbröckelnde Seite.
An einem Baum sitzt ein weinendes Mädchen, doch sobald sie mich sieht, springt sie hastig auf, wischt sich die Tränen weg und setzt die grinsende Maske auf, die auf dem Boden neben ihr gelegen hat. Sie begrüßt mich herzlich: „Halli Hallo, Besucher. Schön, dass du da bist! Wie gefällt dir mein wunderschöner Planet? Er ist fabelhaft, hab ich nicht recht?“
„Ein wirklich schöner Planet“, erwiderte der Prinz. „Natürlich gefällt er dir. Er muss dir gefallen. Wem gefällt er nicht?!“
Dieses Mädchen konnte nicht aufhören, darüber zu reden, wie schön alles auf ihrem Planeten ist, und tigert vor meiner Nase umher. Skeptisch sah ich sie an. Sie war schon sehr sonderbar.
„Warum schaust du so misstrauisch? Gefällt dir mein Planet doch nicht? Bin ich nicht genug? Ist mein Lächeln nicht strahlend?“
Sie möchte mir anscheinend sehr gefallen, aber das verstehe ich nicht. Was hat sie für einen Nutzen davon, mir zu gefallen? Ging es ihr nicht gerade eben noch schlecht? Warum setzt sie diese Maske auf, die gar nicht ihrem echten Ich entspricht?
Und so begriff der kleine Prinz, dass es Erwachsene gibt, die sich selbst verändern, um anderen zu gefallen.
4. Der Immerarbeitende
Als der kleine Prinz auf dem Planeten landete, hörte er Uhren und sah alte Geräte.
Der Planet war sauber, aber auch irgendwie zugemüllt.
Zwischen all den Maschinen stand ein Mann mit Latzhose und einer Uhr in der Hand.
„Hallo“, sagte der kleine Prinz.
„Einen Moment!“, rief der Mann zurück.
„Ich repariere gerade meine Uhren.“
Der kleine Prinz setzte sich auf einen Felsen und wartete.
„Warum reparierst du diese Dinge?“, fragte er.
„Damit ich jeden Tag ein bisschen besser darin werde“, antwortete der Immerarbeitende.
„Und warum willst du besser werden?“
Er überlegte und sagte dann verwirrt:
„Um noch mehr zu schaffen!“
Der kleine Prinz schaute sich die vielen Uhren an.
„Aber wenn du immer nur arbeitest, hast du dann noch Zeit für andere Dinge?“
Der Immerarbeitende sagte nichts.
Er schaute auf seine Uhren und dann zu dem kleinen Prinzen.
Da begriff der kleine Prinz, dass viele Menschen versuchen, perfekt zu sein, dass sie aber vergessen, die wichtigen Dinge im Leben zu sehen.


