Kampf gegen imaginierte Windmühlen

Gruppenfoto

Windmühlen, Riesen, Zauberer und böse Drachen sind es, die Don Quijotes Leben ausfüllen und erfüllen. Der spanische Nationalheld ist ein Sinnbild für die Phantasie, manchmal nah an der Grenze des Wahnsinns, des Überschnappens, gar des Realitätsverlustes. Diese Grenzen erproben die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler der Oberstufentheater-AG des Gymnasiums am Deutenberg in ihrem diesjährigen Projekt.

Mit viel Skurrilität und noch mehr Humor bringen sie den zeitlosen Klassiker aus der Feder von Miguel de Cervantes auf die Aulabühne. Dabei bleibt sicherlich kein Auge trocken, wenn sie gegen die imaginierten Windmühlen und Monster kämpfen und die Phantasiewelt Spaniens, aber auch Russlands wieder aufleben lassen. Denn gespielt wird nicht das Original, sondern die Version des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow. Bulgakows unverkennbarer Stil verleiht dem Stück eine faszinierende Dynamik und eröffnet ein Spannungsfeld zwischen Kreativität und Wirklichkeit.

Als Schriftsteller und Dramatiker stand Bulgakow nämlich vor der Herausforderung, seine Kunst in einer Atmosphäre der Zensur und Unterdrückung der Stalin-Regierung zu kultivieren. In "Don Quijote" fand er einen Ausdruck für die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung, die in einer Welt der Ideologien und Diktate erstickt zu sein schien. Durch die Gestalt des legendären Ritters der traurigen Gestalt eröffnete sich Bulgakow die Möglichkeit, die Grenzen zwischen Realität und Phantasie zu erkunden und gleichzeitig subtile Kommentare zur damaligen politischen Situation zu verstecken.

Wie Bulgakow sind auch moderne Künstler heutzutage oft gezwungen, einen Balanceakt zwischen ihrer persönlichen Integrität und den Erwartungen der Gesellschaft zu vollführen. In einer Ära, in der technologische Innovationen und künstliche Intelligenz zunehmend Einfluss auf unser tägliches Leben nehmen, werden Fragen nach der menschlichen Kreativität und Autonomie immer drängender. So mag es nicht verwundern, dass die Theatergruppe den Text aus dem Russischen von einer künstlichen Intelligenz übersetzen lassen hat, um hier noch einmal die Grenzen zu erkunden. 

Es verspricht also eine Inszenierung zu werden, die zum Lachen und zum Nachdenken gleichermaßen bringt. Die Aufführungen von „Don Quijote“ finden statt am Dienstag und Mittwoch, 11. und 12. Juni, jeweils um 19.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums am Deutenberg. Der Eintritt ist frei.

Zurück