Ein Abend der Künste

„Bühne frei“ lautete das Motto des Kleinkunstabends in der Aula des Gymnasiums am Deutenberg. Musiklehrer Alex Ungelenk hatte ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, bei dem verschiedene künstlerische Ausdrucksformen miteinander verschmolzen: Musik, Tanz, Theater und Poesie wurden nicht getrennt nebeneinandergestellt, sondern bewusst miteinander verwoben.

Eröffnet wurde der Abend vom Ensemble schräg mit zwei Eigenkompositionen von Alex Ungelenk. Das Stück „Mysterium“ zeichnete sich durch einen geheimnisvollen Klangcharakter aus, während „Like Glass“ eine Hommage an den amerikanischen Komponisten und Musikminimalisten Philip Glass war. Gleichzeitig spielt der Titel mit dem englischen Wort „glass“: So wirkte das musikalische Material zerbrechlich und fragil, fast wie aus Glas.

Die Tanz-AG unter der Leitung von Sportlehrerin Marita Sontheimer präsentierte gleich mehrere Choreografien, die sich stilistisch im Bereich des zeitgenössischen Tanzes bewegten. In „Slow me down“ und „Puppentheater“ kombinierten die Tänzerinnen eine klar strukturierte Bewegungssprache mit fließenden Übergängen und synchronen Formationen. So wechselten sie bewusst zwischen aufrechter Präsenz und eleganten Bodenpassagen. Die schlichte schwarze Kleidung richtete dabei den Blick auf das Wesentliche: In weiten Armbewegungen, Richtungswechseln und Momenten des Innehaltens entstand so ein Spiel mit Spannung, Raum und musikalischer Phrasierung.

Ein noch reduzierteres Ausdrucksmittel nutzte im Anschluss die Musical-AG, die zwei Lieder aus dem entstehenden Schulmusical „Nur mit dir zusammen“ präsentierte. Der von Borislav Kirkov (Kursstufe) und Alex Ungelenk gemeinsam entwickelte Stoff beleuchtet die Spannung zwischen persönlichem Ehrgeiz und emotionaler Nähe. In „Ich will fliegen“ (gesungen von Phi Linke) und „Nah sein“ (Wendy Tonleu) zeigte sich bereits ein breites Spektrum an Stimmungen. Ein musikalischer Vorgeschmack also auf die geplante Hörspielfassung dieser Kirkov-Ungelenk-Produktion.

Borislav Kirkov war dann auch selbst als Schauspieler zu sehen. Er und sein Mentor Alex Ungelenk inszenierten in einem lyrischen Schauspielduett das Bild eines jungen Kämpfers, der an seine Grenzen stößt: Zu drängender Musik boxte Kirkov gegen einen unsichtbaren Gegner, angetrieben von den Rufen seines Coaches. Doch nach einer Pause kehrte er verändert zurück: Er zog die Handschuhe aus, ließ die Pose des Kämpfers hinter sich und sprach, ruhig und klar, Hilde Domins Gedicht „Nur eine Rose als Stütze“. In diesem Moment wurde spürbar, dass sich diese Figur in der Rolle des Kämpfers fremd fühlt und als Dichter vielmehr ihren Halt in der Sprache, in der Vorstellungskraft und der Poesie sucht und letztlich findet.

Einen klassischen Kontrapunkt bot im Anschluss das Duo aus Damian Egert (Violoncello) und Alex Ungelenk (Klavier) mit „À Chloris“ von Reynaldo Hahn, einem eleganten Salonstück aus dem frühen 20. Jahrhundert, das sich musikalisch auf die berühmte Basslinie aus Bachs „Air“ bezieht. Die Interpretation war schlicht gehalten und wirkte gerade dadurch eindringlich. Für Damian war es zugleich ein Abschied: Als Abiturient verlässt er in diesem Sommer die Schule, was natürlich für Alex Ungelenk Grund genug war, ihn nach vielen Jahren gemeinsamer musikalischer Wegstrecken spürbar bewegt zu verabschieden.

Mit „Communication:Breakdown:Reload“ zeigte die Tanz-AG zum Abschluss noch einmal eine ganz andere Facette. Hier dominierten kraftvolle Bewegungen, abrupte Wechsel und ein spürbarer Drive. Ein Kontrastprogramm zur eher kontemplativen und lyrischen ersten Tanzpassage.

Den Schlusspunkt setzte der Projektchor unter der Leitung von Alex Ungelenk mit einem Auszug aus seiner eigenen Messkomposition: das „Agnus Dei“. Der liturgisch-traditionelle Text „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi“ (Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt) ist häufig der abschließende Teil einer Messe und steht für Ruhe, Erlösung und inneren Frieden. In Ungelenks Vertonung wurde dieser Charakter aufgegriffen: sparsame Harmonien, klare Stimmenführung, ein langsamer Aufbau – fast ein meditativer Ruhepol zum Ende des Abends.

„Bühne frei!“ zeigte also einmal mehr, wie vielfältig künstlerisches Arbeiten in der Schule sein kann, und das nicht als starre Darbietung einzelner Genres, sondern im Zusammenspiel von Musik, Bewegung und Darstellung.

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